Häfner: Der Laser hat noch lange nicht das Ende seiner Inno- vationsmöglichkeiten erreicht – ganz im Gegenteil, er ist En- abler der nächsten industriellen Revolution: der KI-gestützen Cyberphotonik. Der Laser bleibt dabei das zentrale Werkzeug zur Materialbearbeitung. Aber viele der klassischen Anwen- dungen sind inzwischen gut verstanden und standardisiert. Jetzt geht es um weitere Beschleunigung und Flexibilisie- rung der Lasertechnik sowie eine nachhaltige Produktion. Wir setzen dabei digitale Prozesse sehr viel tiefgreifender ein: Neue Prozesse und Prozessparameter werden durch KI schneller, besser und effizienter erschlossen. Mit sinkenden Kosten und steigender Leistung der Laserquellen, ähnlich dem Moore‘schen Gesetz in der Halbleitertechnik, dringt der Laser zunehmend in traditionelle Fertigungstechniken ein und steigert dabei Produktivität und Präzision. Darüber hinaus erschließen wir neue Märkte, insbesondere in der Mikroelek- tronik, der Energie- und der Medizintechnik. Dort ersetzen wir zum Beispiel die Knochensäge durch einen viel genaue- ren Laserprozess. In der Quantentechnik und der Kernfusion stehen wir zwar noch am Anfang, der Hebel in Bezug auf die Märkte ist aber unbeschreiblich groß. Die Liste der Möglich- keiten ist lang, denn das Fraunhofer ILT ist ein großes Insti- tut mit einem umfangreichen Erfahrungsschatz. LP.PRO: Sie sind Beauftragter der Fraunhofer-Gesellschaft für Kernfusion und Berater der Bundesregierung auf diesem Gebiet. Welche Rolle spielt Deutschland in der Laserfusion? Häfner: Wir haben in Deutschland über Jahrzehnte in die Grundlagenforschung der Fusion investiert und sind weltweit führend, insbesondere in der Magnetfusion und der Reaktor- Materialentwicklung. In der lasergetriebenen Fusion gab es sehr viel weniger Grundlagenforschung, hier liegt unser Vor- teil in den industriellen Technologien, die dafür notwendig sind. Deutschland ist in diesem Feld kein Follower, sondern ein Early Adopter mit starken technologischen Beiträgen. Bei Laserfusion denkt jeder erst einmal an Hochleistungs- laser und Optiken, weniger aber an Reaktortechnologien, Brennstoffkapseln, Steuerungstechnik, Fertigungstechnolo- gien, Energieanlagen – und natürlich an den Kraftwerks- „ Oft fehlt der Mut, sich von alten Strukturen zu lösen und neue Wege zu gehen“ 25 bau: In allen Bereichen sind wir weltweit führend. Auch für Europa ist der Umbau des Energiesektors hochrelevant und eine Diversifizierung der Energiequellen aus Resilienz- und Souveränitätsgründen wichtig. LP.PRO: Welche Herausforderungen sehen Sie für den In- novationsstandort Deutschland? Häfner: Deutschland hat ein enormes Innovationspotenzial, aber wir stehen uns oft selbst im Weg. Der globale Wettbewerb ist härter geworden, und gleichzeitig wird Innovation durch zu viele Regulierungen gebremst. Wir müssen den Transfer von Forschung in die Industrie beschleunigen und offener für neue Technologien sein. Unsere Wirtschaft lebt von kontinu- ierlicher Innovation, doch oft fehlt der Mut, sich von alten Strukturen zu lösen und neue Wege zu gehen. LP.PRO: Wo sehen Sie die Gründe dafür? Häfner: Offensichtlich macht die Schnelligkeit des Fortschritts einigen Menschen Angst, weil die Welt da- durch als unbeherrschbar und nicht steu- erbar erlebt wird. Deswegen haben wir als Wissenschaftler die Aufgabe, die Welt zu erklären, die Menschen mitzunehmen und zu begeistern und ihnen zu zeigen, was Technologie für den Einzelnen bedeutet. Dies ist eine Aufgabe für die Forschung und Fraunhofer, aber auch für die Gesellschaft und die Politik. Auch im internationalen Kontext erleben wir aktuell an einigen Stel- len Unsicherheit. Die Welt ist vernetzter als je zuvor, doch viele Länder versuchen sich abzugrenzen. Gerade in der Wissenschaft sehen wir zu- nehmend Einschränkungen durch politische Kontrollen und neue Regularien. Dabei ist internationaler Austausch essen- ziell für den Fortschritt. Wissenschaft sollte Brücken bauen und nicht durch geopolitische Interessen blockiert werden. LP.PRO: Sie haben das Fraunhofer ILT neu ausgerichtet. Wie sehen Sie die Zukunft des Instituts – und die der Laser technik? Häfner: Die große Zeit des Lasers hat erst begonnen. Wir le- ben im Jahrhundert des Photons. Das Fraunhofer ILT ist dafür hervorragend aufgestellt: Wir haben eine der weltweit größ- ten Lasertechnik-Forschungsgruppen, die sowohl die Laser- quellen als auch die Laser-Materie-Wechselwirkung in allen Details versteht. Diese Kombination ermöglicht es, neue An- wendungen zu entwickeln und technologische Synergien zu erschließen. Das Institut wird von seinen exzellenten Mitar- beitenden getragen, die täglich Innovationen hervorbringen. LP.PRO: Danke für das Gespräch. ■ www.ilt.fraunhofer.de