Technologieforum Laser Photonik

Quantensensorik und mehr – Quantum Photonics in Erfurt

Am 5. und 6. Mai 2026 findet in Erfurt die Anwendertagung mit begleitender Fachausstellung ‚Quantum Photonics‘ statt. Einen Teil des Programms wird nach Angaben des Veranstalters Messe Erfurt das Themengebiet Quantensensorik einnehmen.
Um physikalische Größen – etwa Magnetfelder, Zeit, Temperatur oder Druck – präzise zu messen, basieren Quantensensoren auf der Nutzung von Quanteneffekten wie Verschränkung oder Superposition. Doch welche Vorteile bietet dies? Eine häufige Vermutung, so Professor Thomas Ortlepp, Geschäftsführer am CiS Forschungsinstitut für Mikrosensorik, sei, dass Quantensensoren deutlich genauer messen. „Das stimmt meistens nicht. Wirklich besser sind vor allem zwei Dinge. Zum einen die Kalibrierung: Herkömmliche Sensoren müssen vor ihrem Einsatz kalibriert werden, ihre Messwerte also ins Verhältnis zu den Messungen einer Referenz gesetzt werden.“ Außerdem: „Ihr Signal driftet im Laufe der Zeit; insbesondere bei industrieller Messtechnik müssen sie daher alle zwei Jahre durch den TÜV nachkalibriert werden.“ Der Quantensensor dagegen bezieht sich direkt auf Naturkonstanten und ist somit absolut genau – ohne jegliche Kalibrierung, erklärt Ortlepp. Dies ändert sich auch nach mehreren Jahren Laufzeit nicht, er liefert über den gesamten Lebenszyklus stets das gleiche Signal. Ortlepp ergänzt: „Interessant ist diese Kalibrierungsfreiheit vor allem für industrielle Anwendungen. Zudem erlaubt sie Messungen in Bereichen, in denen eine Kalibrierung nicht durchführbar ist – etwa in schwer zugänglichen technischen Anlagen oder Satelliten.“ Der zweite große Vorteil, so Ortlepp: Quantensensoren sind nicht manipulierbar – jeglicher Manipulationsversuch zerstört das Signal.

Von der Kommunikation bis zu den Bodenschätzen

Das Kongressprogramm wird laut Veranstalter vielfältige Anwendungen der Quantentechnologien umfassen. Im Forum ‚Quantum for Instrumentation and Measurement‘ beispielsweise wird Professor Ronny Stolz neue Entwicklungen zur Einzelphotonendetektion thematisieren. Stolz leitet die Abteilung ‚Quantum Systems‘ am Leibniz-Institut für Photonische Technologien in Jena und ist Honorarprofessor an der Technischen Universität Ilmenau. Dort entwickelt er Technologien, um einzelne Photonen mit einer hohen Quanteneffizienz zu messen. Anwendungen finden sich beispielsweise in der Satellitenkommunikation sowie in der Quantum Key Distribution.
Quantensensoren können auch dabei helfen, Bodenschätze zu finden. Das Unternehmen Supracon erforscht supraleitende Sensoren und Schaltungen und entwickelte ein magnetisches Quantensystem zur Messung von Bodenschätzen. Erfolgreich eingesetzt wurde der Sensor nach Angaben des Unternehmens zum Beispiel in Kanada, wo er große Kupferlagerstätten aufspürte. Probebohrungen waren dazu nicht nötig: Der Sensor misst das Magnetfeld der Erde, das durch Bodenschätze verändert wird, aus einem Flugzeug. Das Ergebnis ist eine magnetische Karte der Erdschicht – bis zu 500 Meter tief – anhand derer sich auf die Bestandteile der Erdschichten ableiten lässt, erklärt das Unternehmen. Das Messsystem ist mittlerweile im industriellen Einsatz: Es vermisst Magnetfelder so präzise, dass Erdmagnetfelder und andere Störfaktoren nicht ins Gewicht fallen. Mit klassischen Systemen wären solche Messungen laut Supracon nicht möglich. Zum Fachkongress der Quantum Photonics gibt Matthias Meyer, Vorstand von Supracon, tiefere Einblicke in dieses Gebiet.

Thüringen: Quantenstandort in Deutschland

Thüringen ist ein Schwerpunktstandort für Optik und Quantentechnologien. Insbesondere Jena hat eine langjährige Optik-Historie durch die Zeiss-Gruppe und Jenoptik, ergänzt von Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer IOF und der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zudem ist Thüringen ein Sensorland: Zahlreiche Technologieentwicklungen drehen sich um die Sensorik, beispielsweise an der TU Ilmenau, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und in Unternehmen wie UST Umweltsensortechnik in Geschwenda. „Thüringen hat das Potenzial, Mikroelektronik, Optik und Photonik eng zu verzahnen – und somit diese Schlüsseltechnologien für wichtige Anwendungsfelder der Quantentechnologien voranzubringen. “, sagt Dr. Gabriel Kittler, Geschäftsführer der X-Fab Semiconductor Foundries in Erfurt und Forensprecher ‚Quantum for Instrumentation & Measurement‘ auf der Quantum Photonics.

Parallelveranstaltung Rapid.tech 3D

Parallel zur Quantum Photonics findet nach Angaben der Messe Erfurt die Rapid.tech 3D vom 5. bis 7. Mai 2026 in Messehalle 2 statt; ein Fokus-Event zu den industriellen Anwendungsmöglichkeiten des Additive Manufacturing. Auch für optisch basierte Quantentechnologien ist die additive Fertigung relevant. Die Verzahnung beider Kongress-, Foren- und Netzwerkbereiche sollen Synergien für Aussteller und Besucher bringen.

Das gesamte Kongressprogramm der Quantum Photonics im Überblick sowie Tickets für den Fachkongress mit Ausstellung gibt es online auf www.quantum-photonics.de.

Quelle und Bild: www.messe-erfurt.de