10 Apr. Kernfusion im Unterricht: Fraunhofer ILT setzt auf digitale Module
Ein webbasiertes Lern- und Lehrangebot zur Fusionsenergie hat das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT gemeinsam mit dem Bildungsanbieter Tinkerbrain entwickelt. Die Plattform ‚FusionsLab.de‘ soll Schülerinnen und Schülern ab Klasse 8 die naturwissenschaftlich-technischen Grundlagen der Fusion vermitteln sowie deren Potenzial für eine klimaneutrale Energieversorgung aufzeigen.
Grundlegendes Verständnis für Energiesysteme
Das modular aufgebaute Angebot kombiniert nach Angaben der Partner interaktive Lernformate, Experimente, Videos und Fachinhalte. Es führt schrittweise von grundlegenden Zusammenhängen zwischen Energieversorgung, wirtschaftlicher Entwicklung und Klimawandel zu physikalischen Prinzipien moderner Energiesysteme. Dabei wird zunächst die Rolle der Fusion in der Sonne als treibende Kraft für nahezu alle Energieformen auf der Erde eingeordnet.
Darauf aufbauend behandelt das Material die Nutzung von Energie entlang verschiedener Technologien – von fossilen Energieträgern über erneuerbare Quellen bis hin zur direkten und indirekten Nutzung solarer Energie. Ziel sei es, ein grundlegendes Verständnis für Energiesysteme, deren physikalische Kenngrößen sowie deren gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung zu vermitteln.

In unterschiedlichen Teams erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler in der Pilotwoche Aufgabenstellungen rund um das Thema Energie. Bild: Fraunofer ILT
Von der Fusion bis zum Kraftwerk
Ein inhaltlicher Schwerpunkt liegt auf der Kernfusion als potenzielle Zukunftstechnologie. Vermittelt werden den Partnern zufolge unter anderem die physikalischen Grundlagen der Fusion von Wasserstoffisotopen wie Deuterium und Tritium sowie technische Ansätze zur Energiegewinnung, darunter laserbasierte Trägheitsfusion und Magnetfusion. Ergänzend werden aktuelle Forschungsansätze und Herausforderungen auf dem Weg zum Fusionskraftwerk thematisiert.
Neben naturwissenschaftlichen Inhalten soll das Lernangebot auch ökonomische, gesellschaftliche und geopolitische Fragestellungen integrieren, etwa zur globalen Energie- und Klimagerechtigkeit oder zur Rolle neuer Technologien in zukünftigen Energiesystemen. Projektbasierte Formate und kollaborative Aufgabenstellungen sollen es den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, sich die Inhalte eigenständig zu erarbeiten und zu präsentieren.
Ein abschließendes Planspiel soll unterschiedliche Perspektiven auf die Fusionstechnologie aufgreifen – von Wissenschaft über Industrie bis hin zu gesellschaftlichen Akteuren – und die Auseinandersetzung mit Chancen und Risiken der Technologie fördern.
Ein Projekt für die Zukunft

Die Inhalte vermitteln die Grundlagen mithilfe von Experimenten, Vorträgen, Videos und interaktiven Formaten. Bild: Tinkerbrain
Mit dem ‚FusionsLab‘ wollen die Projektpartner neben der Wissensvermittlung auch die Förderung von MINT-Kompetenzen sowie die frühzeitige Einbindung junger Menschen in technologiegetriebene Zukunftsthemen adressieren. Perspektivisch soll das Angebot bundesweit eingesetzt und weiter ausgebaut werden.
Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit 100.000 Euro geförderte Projekt wurde zunächst im Rahmen von Projektwochen und Unterrichtsreihen an mehreren Aachener Schulen erprobt, darunter die Gesamtschule Aachen-Brand sowie zwei Gymnasien. Auf Basis dieser Pilotphase soll das Material in enger Abstimmung mit Lehrkräften und MINT-Koordinatoren weiterentwickelt und didaktisch optimiert worden sein.
Die Plattform ist nach Angaben der Partner kostenfrei für Schulen und außerschulische Lernorte verfügbar.
💡Das Fraunhofer ILT ist außerdem an mehreren Forschungsprojekten für die Entwicklung kraftwerkstauglicher Fusionstechnologien beteiligt. Im Titelinterview der LP.PRO 01.2026 sprechen Dr. Sarah Klein und Dr. Martin Adams vom Fraunhofer ILT über Potenziale, technologische Ansätze und Spill-Over-Effekte der Fusionsforschung. Hier gelangen Sie zum Interview in unserer E-Paper-Ausgabe. 💡
Quelle und Bild: www.ilt.fraunhofer.de

